Station 12: Kleine Pause

 

Wenn Du möchtest, kannst Du jetzt auf den Bänken an der rechten Seite eine kleine Rast einlegen und den Blick nochmal schweifen lassen. Und lausche doch mal den vielen Vogelstimmen.

Dankenswerterweise wurden auf dem Gelände vor etwa 20-25 Jahren sehr viele Bäume gepflanzt . Die komplette Hangseite in Richtung Königsbach ist ein nahezu unberührtes Stück Erde, hier darf alles seit vielen Jahren wachsen wie es möchte.

Dies schützt unser erhöhtes Gelände vor starken Winden, der Abdrift von Pestiziden aus den Weinbergen und es bietet Lebensraum für viele kleinere und größere Tiere.

 

In Richtung der Gleise wächst schon auf großen Teilen Hecke und wir werden noch mehr Abtrennung zur Bahn hin schaffen, da die Deutsche Bahn natürlich ebenfalls regelmäßig Unkrautvernichtungsmittel auf die Gleise sprüht.

 

Auf beinahe der kompletten Länge des ehemaligen Pferdezaunes wurde Totholz (Grünschnitt) aufgeschichtet, das meiste davon ist schon mit Brombeeren und anderen Pflanzen bewachsen und deshalb kaum noch sichtbar.

 

Kennst Du Benjeshecken oder auch Totholzhecken? Das ist hier das gleiche Prinzip: Totholzhecken bieten Lebensraum für kleine Tiere wie Nager, Igel, Käfer, Vögel, … und sind ein Quell des Lebens. Gleichzeitig sind sie ein lebendiger nahezu dichter Zaun, um Rehe und Wildschweine vom Gemüse fernzuhalten.

Sie dienen gleichzeitig dazu, Feuchtigkeit zwischen den Bäumen zu halten. Die letzten extrem heißen Sommer haben den Bäumen sehr zugesetzt und mehrere sind bereits eingegangen. Und solch extreme Sommer werden eher die Regel als die Ausnahme werden.

 

Wenn Du Dich umschaust siehst Du mehrere tote Bäume, darunter leider auch zwei Süßkirschen- und zwei Walnussbäume.

Das gesamte Gelände ist aufgeschüttet und erhöht im Vergleich zur Umgebung. Daher trocknet es noch schneller aus als die umgebenden Weinberge.

Die einzige Chance, dass unser Garten dem Klimawandel etwas entgegensetzen kann ist der kontinuierliche Aufbau von Humus und die Verringerung der Verdunstung, weshalb auch so wenig wie möglich gemäht wird.

 

Vom Kindersandkasten vorne bis hierher haben wir auf dem Hauptweg eine sehr dicke Schicht aus Holzhäckseln aufgebracht – die ist schon fast vollständig zu Erde geworden und daher kaum noch sichtbar. Seitdem ist der Boden bei Starkregen nicht mehr sofort eine einzige Schlammpfütze sondern kann Regen besser ableiten und auch mehr Feuchtigkeit speichern.

 

Gleichzeitig siedeln sich dadurch immer mehr Pilze an, an feuchten kühlen Tagen sprießen überall die Fruchtkörper aus dem Boden.

Pilze im Garten sind ein gutes Zeichen! Sie verbinden durch das Pilzmyzel (das unterirdische Pilzgeflecht) alle Pflanzen miteinander und diese tauschen dadurch Nährstoffe und Informationen aus. Zudem gibt es Pilze, die Altlasten im Boden wie Öl und sonstige schädlichen Kohlenwasserstoffverbindungen in Ihre Bestandteile zersetzen können - genau das was man hier braucht!

 

Wenn es Dich interessiert, scanne den QR-Code auf dem Tisch, um zum Video vom TED Talk des berühmten Pilzforschers Paul Stamets zu kommen (Englisch mit deutschen Untertiteln). Spule bis zur Minute 7:42 vor - dort geht es um einen Versuch, mit Austernpilzen einen öldurchtränkten Haufen zu regenerieren - sehr faszinierend!

 

Die Erde ist genial darin, sich selbst zu heilen, aber man muss ihr dazu auch die Gelegenheit lassen. Zerstört man das sensible Bodenleben durch ständiges Pflügen, den Einsatz von Pestiziden, Fungiziden und Monokulturen (die immer gleichen Pflanzen) und verdichtet ihn durch schwere Maschinen, unterbindet man die Selbstheilungskräfte der Natur und es bleibt nur tote Erde zurück.

 

Deshalb ist die industrielle Landwirtschaft auch so problematisch - sie arbeitet nicht mit der Natur sondern gegen sie.